Gedanken · Sonstiges

Warum ich nicht Frankreich bin

Seit Freitag fordert mich Facebook 24/7 dazu auf, mein Profilbild zu ändern, um meine Solidariät mit den Menschen in Frankreich auszudrücken. 9 von 10 meiner Facebookfreunde machen da mit, und ich überlege jedesmal, wenn ich den Aufruf sehe, ob ich nicht auch dem Herdentrieb nachgeben soll und  auf „Probier es aus“ klicke. Denn ich bin ja bei den Menschen in Frankreich. Von Herzen. Und ich habe selbst Freunde, die dort leben.

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Mal aufgefallen: Homer ist auf diesem Bild der einzige, der wirklich besort aussieht.
Mal aufgefallen? Homer ist auf diesem Bild der einzige, der wirklich besorgt aussieht.

Aber dann denke ich mir – sorry. Ich bin zwar solidarisch mit den Franzosen und ich schicke all meinen guten Gedanken in diesen Stunden zu den Menschen nach Paris. Aber ich bin nicht Paris. Nicht nur. Ich bin Beirut, Irak, Syrien, Libanon, Afghanistan, Palestina, Yemen, Japan, Afrika…. die Welt. Ich bin Menschlichkeit, Liebe, Frieden, Vergebung.

Und ich bin noch was: verdammt wütend, fassungslos, traurig und „sick of this shit!“. Und ich fühle Dinge und denke Gedanken, von denen ich weiß dass sie allem wiedersprechen, an das ich glaube.
Und dann fange ich mich wieder und versuche keinen Hass und keine Furcht in mir aufkommen zu lassen, sondern mich auf die Liebe und das Mitgefühl mit allen Menschen zu konzentrieren.
Denn wie sagte einst ein weiser kleiner Mann: „Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.“

Also sorry Facebook – ich werde mein Profilbild nicht in Tricolore einfärben. Aber ich verspreche dir was anderes: Ich werde der Wandel sein, den ich in der Welt sehen will.

P.S: Ich will mit diesem Artikel niemand verurteilen, der sein Profilbild geändert hat oder das noch tun möchte. Das ist richtig und gut. Aber ich für mich persönlich habe mich dagegen entschieden.

P.P.S: Ich muss noch was dazu sagen:
Es ist erst 10 Monate her, dass alle Charlie waren. Damals hat mich der Anschlag in Paris so mitgenommen wie zuletzt 2001 die Anschläge vom 11. September. Ich war tagelang wie benebelt, und hab mich gefragt, wie Menschen denn noch einfach so auf der Straße rumlaufen können als ob nichts wäre.92e14bd0eba7792be39526805caa1a7b
Ich hab mir immer wieder das Gehirn zermartert, wie man denn so verbohrt und fanatisch sein kann, und was in solchen Menschen vorgehen muss. Ich war wahnsinnig wütend und voller Hass – gegen diese Terroristen-Arschlöcher, die immernoch im Mittelalter leben und von Kreuzzügen des Westens reden.

Dann kamen die ewigen Islam-Diskussionen in den Sozialen Netzwerken, Islam-Experten in allen Talkshows, Promis in aller Welt gaben ihre Meinung ab, die Braunen bekamen immer mehr Zulauf, die Verschwörungstheoretiker krochen aus ihren Löchern, Blablabla……….. und das geht jetzt alles wieder von vorne los.

Ich hab keinen Bock und keine Energie mehr mich da reinzusteigern – nicht schon wieder! Ich ertrag es einfach nichtmehr.
Vielleicht wird es mal wieder Zeit für eine Facebook-Pause. Zumindest so lange bis sich die Leute wieder über rote Starbucks-Becher aufregen oder Katzenfotos posten.

Links:

Das ist eine Liste von bewaffneten Konflikten und Kriegen, die momentan auf der Welt herrschen:

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Und das sind zwei Terroranschläge, die ebenfalls am Donnerstag und Freitag stattfanden, um die aber keinerlei Wirbel von den Medien gemacht wurde:

  • Beirut, Libanon: ISIS Terroranschlag – 43 Tote, 250 Verletzte.
  • Baghdad, Irak: ISIS Terroranschlag – 19 Tote, 30+ Verletzte
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